Sein Herz schlägt weiter für die Schiedsrichterei

Am letzten Wochenende pfiff Roland Huwiler zum letzten Mal in der Swiss Football League ein Spiel. In Zukunft wird er sich für junge Schiedsrichtertalente engagieren, da sein Herz weiterhin für den Fussball und vor allem die Schiedsrichterei schlägt.

bro. «Es war rückblickend gesehen, sogar ein historisches Spiel», so Roland Huwiler über das letzte Spiel, das er in der Swiss Football League leitete. Aber nicht, weil es sein letztes war. Es war das Spiel FC Winterthur – FC Servette, das mit einem 4:0 für Winterthur endete. Servette indes – derzeit auf dem zweiten Platz der Challenge League – erhält wegen Überschuldung keine Lizenz mehr und steigt in die erste Liga ab. Der Match selbst verlief ruhig und war ein angemessener Abschluss für den Küssnachter Schiedsrichter: «Es war ein ruhiges Spiel, bei dem sich die Teams nicht mehr weh tun wollten.»

Altes Eisen

Fünf Jahre pfiff Huwiler in der zweitobersten Liga der Schweiz. Davor fünf Jahre in der ersten Liga – der heutigen Promotion League. Total war er 18 Jahre als Schiedsrichter tätig. «Wenn man den Sprung in die Super League nicht schafft, ist es üblich, dass man nach vier bis fünf Jahren Platz für jüngere Schiedsrichter macht», erklärt Huwiler sein Karriereende. Mit 37 Jahren gehöre er schon fast zum alten Eisen: «Ich war schon etwas älter als der Durchschnitt, als ich mit 32 in die Challenge League kam. Meine Mitbewerber heute sind vielfach deutlich jünger.» Obwohl Huwiler hart für sein Ziel Super League trainierte und viel Zeit in seinen zweiten Beruf investierte, sollte es ihm für die höchste Schweizer Liga am Ende doch nicht reichen. «Vermutlich haben andere – eben jüngere Mitstreiter – zum richtigen Zeitpunkt überzeugendere Spiele geleitet», nennt der Küssnachter Banker einen der Gründe. Dennoch sei er mit dem Erreichten sehr zufrieden. «Einmal zu den zwanzig besten Schiedsrichtern der Schweiz zu gehören, hätte ich beim Karrierestart nie erträumt.»

Bleibt der Schiedsrichterei erhalten

Es ist ein 30 bis 40 Prozent Arbeitspensum, das meiste in der Freizeit, welches Roland Huwiler nebst seiner Arbeit in die Schiedsrichterei investierte. So trainierte er drei- bis viermal pro Woche, nahm an diversen Kursen und Weiterbildungen teil und nahm die teilweise langen Anfahrtswege für die Matches und diverse Hotelübernachtungen in Kauf. Alles mit dem Ziel einmal Spiele in der Super League zu leiten. Nun, da dieses Ziel ausser Reichweite ist, will Huwiler der Schiedsrichterei aber den Rücken trotzdem nicht abwenden. Zwar wird er nicht mehr aktiv auf dem Platz pfeifen, aber er trägt neu die Verantwortung für junge Schiedsrichtertalente aus der gesamten Schweiz, die kurz vor dem Sprung in die Swiss Football League stehen. Im Ressort Nachwuchs beim SFV wird er sich vor allem um die Aus- und Weiterbildung sowie die Betreuung des Schiedsrichternachwuchses kümmern. «Ich möchte den jungen Schiedsrichtern weitergeben, was ich in all den Jahren gelernt habe. Ich arbeite gerne mit jungen Leuten zusammen und bleibe so mit der Schiedsrichterei verbunden.»

Dorffeste, anders als sonst

In seiner langen Schiedsrichterkarriere hat Roland Huwiler viele unterschiedliche Leute kennengelernt und Kontakte geknüpft: «Die entstandenen Freundschaften gehören für mich zu den grössten Highlights meiner Karriere.» Ein besonderes Spiel, dass ihm noch ewig in Erinnerung bleiben wird, nennt Huwiler nicht: «Natürlich gab es immer wieder spezielle Spiele, auf die ich mich besonders gefreut habe. Aber ich kann nicht einfach eines herauspicken und behaupten, dies sei das Beste gewesen. Gefallen haben mir auch immer wieder Cupspiele, die irgendwo im Nirgendwo stattgefunden haben. Dort war immer eine ganz andere Stimmung – wie ein Dorffest, anders als sonst. Aber es gibt nicht das beste Spiel.» Obwohl das Positive weit überwiege, gibt es auch negative Ereignisse zu verarbeiten. Zwar sei er selbst nie angegangen worden und habe nie die grossen Probleme erlebt, aber er habe sich natürlich auch schon ungerecht behandelt gefühlt. Sei dies von Spielern, Umfeld oder Medien. Hie und da kam es auch zu Fehlentscheiden: «Wenn man dann im Nachhinein die Aufnahmen sieht, dann ärgert man sich.» Dies sei allerdings ein Teil vom Job und war nie ein Grund für Huwiler, die Pfeife hinzuschmeissen. «Ich hätte mir nur ab und zu etwas mehr Toleranz gegenüber unserer Arbeit gewünscht.»

Fussballerherz

Für den Küssnachter ist Fussball die Sportart, die er früher selbst immer gerne gespielt hat. «Ich habe aber – ursprünglich um den Verein zu unterstützen – einen anderen Weg genommen, wohl auch weil ich kein grosser Fussballer geworden wäre.»  Sein Herz wird auch zukünftig weiterhin für den Fussball und die Schiedsrichterei schlagen. Ob er mit seiner neuen Aufgabe nun mehr Zeit für andere Dinge hat, weiss Huwiler noch nicht: «Ich werde sicher flexibler sein, weil ich selber aussuchen kann, welche Spiele ich inspizieren möchte. Ausserdem kann ich auch einmal an einem Wochenende nichts machen, was bisher kaum ging, da ich immer verfügbar sein musste. Ich habe mehr Freiheiten und muss auch nicht mehr so viel trainieren.» Trotzdem wolle er sich aber nicht gehen lassen: «Ich werde sicher weiterhin trainieren, aber nicht mehr ganz so intensiv und vielleicht auch andere Sportarten ausprobieren. Ich möchte schliesslich, dass man mich auch in Zukunft auf den Fotos noch im Hochformat abbilden kann.»

 

Bericht aus dem Freier Schweizer in der Ausgabe vom 04.06.2015

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